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Ein Geburtstag, den Nintendo nicht feiert: 25 Jahre Virtual Boy

Ein Beitrag von Onkel Jo.

Auch auf der Weste von Nintendo existieren Flecken. Dabei meine ich gar nicht solche Kaffeeränder wie Wii U, sondern einen schwarzen Ölfleck, bei dem jedes Waschmittel das Pulver streckt. Die Rede ist vom Virtual Boy, Nintendos bisher größter kommerzieller Fehlschlag in der 131-jährigen Firmengeschichte. Die 3D-Konsole feiert heute ihren 25sten Geburtstag.

Am 21. Juli 1995 hat Nintendo seinen Versuch die dritte Dimension zu erobern veröffentlicht. Falls ihr den Virtual Boy nicht kennt, braucht ihr euch nicht zu schämen: Nachdem sich in Japan und den Vereinigten Staaten ein Verkaufsfiasko abzeichnete, hat Nintendo den für Europa geplanten Start der 32-Bit-Konsole kurzfristig abgeblasen und die Herstellung eingestellt. Nicht mal 30 Spiele sind erschienen.

(Mario's Tennis, einer der vier Starttitel der Konsole. Die Packungen für Virtual Boy entsprechen von der Größe her den alten Game-Boy-Hüllen. Die Module sind allerdings etwas größer.)

Dabei besaß das Gerät durchaus Potenzial. Kein Wunder, hatte Erfinder Gunpei Yokoi zuvor doch nicht nur mit dem Verkaufsschlager Game Boy ein glückliches Händchen bewiesen. Doch der damalige Firmenleiter Hiroshi Yamauchi drängt Yokoi-san zur eiligen Fertigstellung. Ein Desaster, das dem kreativen Kopf trotz aller Erfolge bis heute anlastet - er stirbt schließlich 1997 bei einem Autounfall ohne sich je rehabilitieren zu können.

Während die Japaner parallel an der Technik für das Nintendo 64 tüfteln, erscheint also dieser Schritt in die virtuelle Realität. Das Gerät sieht aus wie eine moderne 3D-Brille, nur dass es mit einem Dreibein auf dem Tisch platziert wird statt es an den Kopf zu schnallen. Das erweist sich als genau so unbequem wie es klingt. Die flimmernde Grafik der Spiele beschränkt sich zudem auf rot und schwarz in stereoskopischer Optik - nicht gerade das, was die Kundschaft von einer modernen Spielkonsole erwartet. Da helfen auch keine obskuren Werbeanzeigen oder der an sich gelungene, räumliche 3D-Effekt der Spiele weiter.     

(Auf dem Mars ein Erfolg? Den Werbeanzeigen für Virtual Boy fehlt das Verkaufsargument Grafik.)

Trotzdem erinnere ich persönlich mich gut an den Virtual Boy. Ende der 90er habe ich mir so ein Gerät gebraucht gekauft. Dazu noch ein paar Spielmodule wie Tetris, Bomberman, Red Alert, Wario Land und natürlich das grandios furchtbare Waterworld. Aber ehrlich  gesagt: Viel gespielt habe ich mit dem Gerät nie.

Das Rot-in-Rot der Grafik war schon damals nicht der Hit. Der 3D-Effekt hingegen war super. Doch wie soll man den genießen? Die Fußstützen der 3D-Brille sind für Zwerge entworfen. Davor kann kein normaler Mensch bequem sitzen. Ich kam mir die ganze Zeit vor, als wäre ich Teilnehmer eines Sehtests.

(Das vielleicht beste Spiel für die Konsole: Virtual Boy Wario Land.)

Schlimm finde ich auch, dass Nintendo tatsächlich das Netzteil eingespart hat - das kostete extra. Solche Sparmaßnahmen gab es also auch schon vor Zeiten des 3DS. Der Virtual Boy schluckt sechs 1,5-Volt-Batterien. Wenigstens lag damals Markenware von Duracell bei. Aber wenn ich ehrlich bin: Ich glaube, meine Originalbatterien sind noch nicht mal aufgebraucht.

Trotzdem danke für diesen obskuren Ausflug in die 3D-Frühzeit, Nintendo. Ich denke mit einem Lächeln daran zurück! Heute ist der Virtual Boy immerhin ein kurioses Sammlerstück.

Ein Geburtstag, den Nintendo nicht feiert: 25 Jahre Virtual Boy

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